Gedichte Sterne


Gedichte - Sterne

Sammlung an Gedichten mit Bezug zu den Sternen für Leserunden und Gedächtniseinheiten.

 


Der verschwundene Stern

Es stand ein Sternlein am Himmel,
Ein Sternlein guter Art;
Das thät so lieblich scheinen,
So lieblich und so zart.

Ich wußte seine Stelle
Am Himmel, wo es stand;
Trat Abends vor die Schwelle
Und suchte bis ich's fand.

Und blieb dann lange stehen,
Hat große Freud in mir;
Das Sternlein anzusehen,
Und dankte Gott dafür.

Das Sternlein ist verschwunden,
Ich suche hin und her;
Wo ich es sonst gefunden,
Und find es nun nicht mehr.

Matthias Claudius

 

 

 

Die drei Sterne

Es blinken drei freundliche Sterne
Ins Dunkel des Lebens herein;
Die Sterne, die funkeln so traulich,
Sie heißen: Lied, Liebe und Wein.

Es lebt in der Stimme des Liedes
Ein treues, mitfühlendes Herz;
Im Liede verjüngt sich die Freude,
Im Liede verweht sich der Schmerz.

Der Wein ist der Stimme des Liedes
Zum freudigen Wunder gesellt
Und malt sich mit glühenden Strahlen
Zum ewigen Frühling der Welt.

Doch schimmert mit freudigem Winken
Der dritte Stern erst herein,
Dann klingt's in der Seele wie Lieder,
Dann glüht es im Herzen wie Wein.

Drum blickt denn, ihr herzigen Sterne,
In unsre Brust auch herein!
Es begleite durch Leben und Sterben
Uns Lied und Liebe und Wein!

Und Wein und Lieder und Liebe,
Sie schmücken die festliche Nacht!
Drum leb', wer das Küssen und Lieben
Und Trinken und Singen erdacht!

Karl Theodor Körner

 

 

 

 

Funkel, funkel, kleiner Stern,
ach wie bist du mir so fern,
wunderschön und unbekannt,
wie ein strahlend Diamant,
funkel, funkel, kleiner Stern,
ach wie bist du mir so fern.

Funkel, funkel, kleiner Stern,
ach was haben wir dich gern,
strahlend schön am Himmelszelt,
erleuchtest hell die ganze Welt,
funkel, funkel, kleiner Stern
ach was haben wir dich gern.

Unbekannt

 

 


Sternschnuppe

Manchmal, in schwülen Sommernächten,
Wenn um die Rosen buhlt der Wind,
Löst schwindelnd sich vom Himmel droben
In jähem Fall ein irrend Kind.

Dann stehen wohl die Menschen drunten
Und starren still und bang empor,
Bis sich des Sternleins leuchtend Sinken
in der Unendlichkeit verlor,

Und greifen mit der Hand zum Herzen
Und sinnen einer Sehnsucht nach,
Die zuckend, leuchtend und verglühend,
In dunkle Tiefen niederbrach.

Anna Ritter

 

 

 

Wunderstern

Hätt einer auch fast mehr Verstand,
als wie die drei Weisen aus dem Morgenland,
und ließe sich dünken, er wär wohl nie
dem Sternlein nachgereist wie sie,
dennoch, wenn nun das Weihnachtsfest
seine Lichtlein wonniglich scheinen läßt,
fällt auch auf sein verständig Gesicht,
er mag es merken oder nicht,
ein freundlicher Strahl
des Wundersterns von dazumal.

Wilhelm Busch

 

 

 

 

Kluge Sterne

Die Blumen erreicht der Fuß so leicht,
Auch werden zertreten die meisten;
Man geht vorbei und tritt entzwei
Die blöden wie die dreisten.

Die Perlen ruhn in Meerestruhn,
Doch weiß man sie aufzuspüren;
Man bohrt ein Loch und spannt sie ins Joch,
Ins Joch von seidenen Schnüren.

Die Sterne sind klug,
Sie halten mit Fug
Von unserer Erde sich ferne;
Am Himmelszelt, als Lichter der Welt,
Stehn ewig sicher die Sterne.

Heinrich Heine

 

 

Sternschnuppe

Es fiel ein Stern, habt ihr gedacht,
aus weiten, unbekannten Fernen.
Ging unter er in dunkle Nacht?
Blieb er am Himmel bei den Sternen?
Ist's eine Welt, die im Entstehn
sich Kraft und Stoff zu holen strebte?
War's eine Welt, die im Vergehn
durchs Leuchten sich zu Ende lebte?
Das werdet ihr vielleicht,
vielleicht eure Rohre noch ergründen,
jedoch wer ihren Weg ihr zeigt,
kann nur der Glaube euch verkünden.

Karl Friedrich May

 

 

 

Sternen-Moral

Vorausbestimmt zur Sternenbahn,
Was geht dich, Stern, das Dunkel an?

Roll' selig hin durch diese Zeit!
Ihr Elend sei dir fremd und weit!

Der fernsten Welt gehört dein Schein:
Mitleid soll Sünde für dich sein!

Nur ein Gebot gilt dir: sei rein!

Friedrich Wilhelm Nietzsche

 

 

 

 

Unter Sternen

Wende dich, du kleiner Stern,
Erde! wo ich lebe,
Daß mein Aug', der Sonne fern,
Sternenwärts sich hebe!

Heilig ist die Sternenzeit,
Öffnet alle Grüfte;
Strahlende Unsterblichkeit
Wandelt durch die Lüfte.

Mag die Sonne nun bislang
Andern Zonen scheinen,
Hier fühl' ich Zusammenhang
Mit dem All' und Einen!

Hohe Lust! im dunkeln Tal,
Selber ungesehen,
Durch den majestät'schen Saal
Atmend mitzugehen!

Schwinge dich, o grünes Rund,
In die Morgenröte!
Scheidend rückwärts singt mein Mund
Jubelnde Gebete

Gottfried Keller

 

 

 

Die Sterne

Wenn sich die Nacht zaghaft mit euch besteckt,
wie eine dunkle Tänzerin den seide-
weichen Leib mit spärlichem Geschmeide,
wenn ihr gleich brennendem Staub den Himmel deckt

und leuchtend in das Nichts hinüberleckt,
fliegt wohl von dieser dürren Lämmerheide
und abgegrasten Trübsalsrinderweide
die Seele lechzend zu euch hoch und reckt

der Sehnsucht Fackel hoch in euch empor,
bis sie vom Weine der Unendlichkeiten
trunken taumelt und ein wirrer Flor

sich um die Sinne legt –: aus euren Weiten,
die ewig grenzenlos ich hochbeschwor,
fall ich zurück in Staub und Sterblichkeiten.

Gustav Sack

 

 


Nur einer?

Es leuchtete in trüber Nacht
vom Himmel einsam mir ein Stern,
und ich, auch trüb, ich hab gedacht,
die andern seien mir so fern.
Da lächelte mit hellem Strahl
er mir die ganze Wahrheit zu
und brachte meines Zweifels Qual
mit seinem Himmelsgruß zur Ruh:
"Es glänzen Millionen hier
ganz in demselben Himmelslicht
und in derselben Liebe dir,
dein Auge aber sieht es nicht!"

Karl Friedrich May

 

 

 

Manchmal schießt am blauen Bogen
Schnell ein Stern in Nacht hinein,
Und die Bahn, die er gezogen,
Leuchtet nach mit mattem Schein.

Aehnlich flogst du raschen Falles
Als ein Stern durch meine Nacht,
Und ein lichter Streif war Alles,
Was mir blieb von deiner Pracht.

Klaus Groth

 

 

 

 

Lachst nicht mehr? Nanu?

Weiß nicht, aber ich glaube doch,
Daß die Welt ein faules Loch,
Drin die vielen großen Sterne
Nichts als Phosphorschimmer sind.

Lieblich tönt, ja das weiß ich schon,
Nur ein toller Weltenhohn.
Freundlich wären wir so gerne…
Aber lacht denn noch ein Kind?

Wundersam, ja nun glaub' ich fast:
Uns zerklemmt die Weltlochlast.
Ach, die vielen großen Sterne
Sind verweht wie müder Wind.

Paul Scheerbart

 

 

 

An den Nordstern

Sitzest oben in dem Hause,
Abgelöst von dem Geschick,
Und die ganze Weltenklause
Dreht sich unter deinem Blick.

Keine Zeit rückt von der Stelle
Deinen Schemel! Treu bewährt
Leitest du mit steter Helle,
Was auf irren Wegen fährt.

Welten werden und vergehen,
Sonnen löschen und erglühn:
Dir ist Kreiseln das Geschehen,
Kreiselspiel der Kräfte Mühn.

Darum ist dein Blick so milde.
Als ein Wissender und Greis
Überm ganzen Weltgebilde
Thronest du und lächelst leis.

Jakob Boßhart

 

 

 

 

Der Komet
(Fragment)

In des Weltraums hängenden Gärten wehn
Die Geburten des All, die dem Äther entstehn,
Die der Lichtstoff zeugt – am erlöschenden Stern,
Am verödeten jagt noch mit flüssigem Kern
Der Komet durch den Raum und durchwallt vor dem Herrn
In feurigen Bahnen die Schöpfung.

Lichtmeere durchfliegt er, Jahrtausenden vor,
Jahrtausenden nach, über Monden empor
Den unendlichen Weg, bis wieder sein Licht
Ins versteinte Gesicht
Der gealterten Erde zurückblickt.

Hermann Ritter von Lingg

 

 

 

Die Sternseherin Lise

Ich sehe oft um Mitternacht,
Wenn ich mein Werk getan
Und niemand mehr im Hause wacht,
Die Stern' am Himmel an.

Sie gehn da, hin und her zerstreut
Als Lämmer auf der Flur;
In Rudeln auch, und aufgereiht
Wie Perlen an der Schnur.

Und funkeln alle weit und breit
Und funkeln rein und schön;
Ich seh’ die große Herrlichkeit
Und kann mich satt nicht sehn….

Dann saget unterm Himmelszelt
Mein Herz mir in der Brust:
“Es gibt was Bessers in der Welt
Als all ihr Schmerz und Lust.“

Ich werf mich auf mein Lager hin,
Und liege lange wach,
Und suche es in meinem Sinn:
Und sehne mich darnach.

Matthias Claudius

 

 

 


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